Plötzlich hoher Blutdruck

Plötzlich hoher Blutdruck – Muss ich mir Sorgen machen?

Plötzlich hoher Blutdruck, auch Bluthochdruck (Hypertonie) genannt, gehört in unserer modernen Gesellschaft leider zu den Volkskrankheiten. Laut neusten offiziellen Zahlen ist die Anzahl der Fälle von Bluthochdruck im deutschsprachigen Raum zwischen 1992 und 2017 massiv von 14 Prozent auf 18 Prozent gestiegen.

Während die Zahlen bei Bürgerinnen und Bürgern zwischen 15 und 44 Jahren im Schnitt teils deutlich abnahmen und in der Altersgruppe 45-55 stagnierten, leiden immer mehr Menschen jenseits der 55 an Bluthochdruck. Allein in der Gruppe der über 75-Jährigen hat sich der Anteil binnen 25 Jahren beinahe verdoppelt.

Plötzlich hoher Blutdruck ist dabei ein Phänomen, das immer häufiger auftritt und unter Umständen sehr gefährlich sein kann. Erfahren Sie, wieso plötzlich hoher Blutdruck entsteht, woran Sie Ihn erkennen und was Sie dagegen tun können.

Plötzlich hoher Blutdruck - Definition

Die Normalwerte des Blutdrucks hängen vom Alter jedes Menschen ab. Das gilt insbesondere bei Kindern und Heranwachsenden. Als optimal definiert die Weltgesundheitsorganisation bei gesunden Erwachsenen einen Blutdruckwert von unter 120 mmHg (systolisch) und 80 mmHg (diastolisch). Bis zu Werten von maximal 140 mmHg (systolisch) und 90 mmHg (diastolisch) sprechen Mediziner noch von einem normalen bzw. normal-hohen Blutdruck. Bei Bluthochdruck liegen die Werte dauerhaft darüber.

Hier lesen Sie mehr zu die unterschiedlichen Graden der Hypertonie.

Ob Sie unter Bluthochdruck leiden, können Sie mit Hilfe mehrerer täglicher Messungen in Erfahrung bringen. Plötzlich hoher Blutdruck dagegen ist ein anderes Phänomen. Hier kommt es zu plötzlich auftretenden Blutdruckspitzen, die in Ruhephasen deutlich höher liegen als Ihre Normwerte. In diesem Fall schiesst der Blutdruck aus dem Normbereich deutlich nach oben. Als kritisch gilt ein systolischer Wert von 180 mmHg, zumal der sich plötzlich erhöhende Blutdruck ein Warnsignal für ernsthafte Erkrankungen sein kann. Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen dem sogenannten hypertensiven Notfall und der hypertensiven Krise.

Wichtig: Plötzlich hoher Blutdruck beim Sport - Ist das normal?

Unser Körper passt den Blutdruck an die jeweilige Situation an. Bewegen wir uns oder treiben Sport, steigt auch der Blutdruck deutlich gegenüber Ruhephasen an. Unter Belastung kann der Blutdruck bei einem gesunden Erwachsenen in der Systole beispielsweise auf Werte von 190-220 mmHg ansteigen. Nach dem Ende der Belastung sinkt der Blutdruck allerdings wieder ab. Durch die Belastung beim Sport entsteht also zeitweise ein plötzlich hoher Blutdruck.


Je trainierter Sie sind, desto geringer ist der Anstieg aufgrund des guten Trainingszustands Ihres Herzens. Dennoch kann es auch unter sportlicher Belastung einen zu hohen Blutdruck geben. Ab einem systolischen Wert von 220 mmHg sprechen Mediziner von einer Belastungshypertonie. Diese sollten Sie unbedingt von einem Arzt abklären lassen. Dennoch: Plötzlich hoher Blutdruck und Puls sind beim Sport normal, sofern beide Parameter in angemessener Zeit wieder zu ihren Normalwerten zurückkehren.

Plötzlich hoher Blutdruck - Welche Ursache steckt dahinter?

Grundsätzlich unterteilen Mediziner das Phänomen des belastungsunabhängig schnell ansteigenden Blutdrucks in zwei Kategorien. Auf der einen Seite steht die sogenannte hypertensive Krise, die auch als akute Blutdruckentgleisung bekannt ist. Typischerweise bestehen hier keine Hinweise auf eine akute Organschädigung oder neurologische Ausfälle.

Auf der anderen Seite befindet sich der hypertensive Notfall. Bei Letzterem sind die plötzlich erhöhten Blutdruckwerte das Symptom einer akuten Erkrankung am Herz-Kreislauf-System wie z.B. einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Während die hypertensive Krise nicht akut lebensbedrohlich und leicht behandelbar ist, handelt es sich beim hypertensiven Notfall um einen Fall für den Notarzt.

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Hypertensive Krise - Ursachen, Symptome, Behandlung

Ursachen für eine hypertensive Krise

Statistisch sind Männer deutlich häufiger von einer hypertensiven Krise betroffen als Frauen. Vor allem in Stress- und Belastungssituationen kommt es durch die Ausschüttung von blutdruckerhöhenden Hormonen zu einer Enormen Belastung der Gefässe. Häufig steigt der Blutdruck hier in der Systole auf einen Wert von über 180 mmHg an. Hinter dem plötzlich erhöhten Blutdruck können beispielsweise Stress, Ärger und Panikattacken stehen.

Das ist auch der Grund dafür, dass plötzlich hoher Blutdruck oft nachts oder abends auftritt, wenn wir zum Grübeln neigen oder unser Gehirn den Stress des Tages verarbeitet. Auch akute Nierenerkrankungen, aufputschende Drogen wie Kokain, Alkoholkonsum bzw. Alkoholentzug und falsch dosierte Blutdruck-Medikamente, können zu einer hypertensiven Krise führen.


Achtung: Plötzlich hoher Blutdruck in der Schwangerschaft

Tritt bei Ihnen plötzlich hoher Blutdruck während der Schwangerschaft auf, ist höchste Vorsicht geboten. In vielen Fällen ist der Blutdruckanstieg ein Symptom für die früher als EPH-Gestose oder Schwangerschaftsvergiftung bekannte Präeklampsie. Auch wenn diese Erkrankung mit derzeit noch ungeklärter Ursache nur bei rund 3-5 Prozent aller Schwangerschaften auftritt, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen.

Ursachen für eine hypertensive Krise

Bei der Hochdruckkrise schnellt der Blutdruck binnen kürzester Zeit dramatisch in die Höhe. Am deutlichsten erkennen Sie dies beim Nachmessen der Blutdruckwerte. Typisch ist hier laut Definition der European Society of Cardiology ein Anstieg auf einen Wert von über 180 mmHg (systolisch) oder bzw. und auf einen diastolischen Wert von über 120 mmHg. Weitere Symptome sind:

  • Stark geröteter Kopf (vor allem Wangenbereich und Nase)
  • Nasenbluten
  • Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Unruhegefühl
  • Benommenheit
  • Starkes Zittern

Behandlung einer hypertensiven Krise

Sobald Sie die entsprechenden Symptome mit entsprechenden Messwerten feststellen, sollten Sie den Rettungsdienst alarmieren oder zumindest eine Klinik aufsuchen, zumal die hypertensive Krise in Einzelfällen lebensbedrohlich sein kein. Im Krankenhaus erfolgt eine Ausschlussdiagnostik, um einen hypertensiven Notfall auszuschliessen, bei dem es zu massiven Organschäden kommen kann.

Ziel der Behandlung ist zunächst die langsame medikamentöse Blutdrucksenkung binnen 24-48 Stunden auf einen unkritischen Wert. Abhängig von der Diagnose bekommt der Patient Blutdruckmedikamente verordnet, mit denen sich die hypertensive Krise sehr gut in den Griff bekommen lässt. Da der Blutdruck erfolgreich binnen kurzer Zeit gesenkt wird und die Organe in der Regel keinen bleibenden Schaden nehmen, ist die Prognose in einem solchen Fall gut.
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So erkennen Sie einen hypertensiven Notfall

Aus einer hypertensiven Krise kann sich bedingt durch den extrem hohen Blutdruck ein hypertensiver Notfall entwickeln. Zu den genannten Symptomen gesellen sich Anzeichen für Organschäden. Welche Symptome dabei auftreten, hängt von den betroffenen Organen ab. Treten neben plötzlich stark erhöhtem Blutdruck Symptome wie Atemnot, Brustschmerz, plötzliches Engegefühl in der Brust (Angina pectoris), Sehstörungen oder neurologische Symptome wie Lähmungen, Taubheitsgefühle oder Sprachstörungen auf, ist dies eine Indikation für den Notarzt!

In einem solchen Fall sollten Sie umgehend den Rettungsdienst alarmieren und den Verdacht auf einen hypertensiven Notfall äussern. Die Leitstelle schickt daraufhin gleich einen Notarzt. Muss dieser im Nachhinein nachgefordert werden, verstreichen wertvolle Minuten, in denen schwere Organschäden entstehen können.

Behandlung und Prognose des hypertensiven Notfalls

Der hypertensive Notfall ist durch hohe Blutdruckwerte, die häufig über 230 mmHg zu 130 mmHg liegen eine lebensbedrohliche Situation. Um irreversible Organschäden zu verhindern, beginnt bereits der Notarzt vor dem Transport in die Klinik damit, den Blutdruck medikamentös über Spritzen oder Infusionen zu senken. Wichtig ist, dass der Blutdruck innerhalb von 30-60 Minuten deutlich sinkt.

Anschliessend erfolgt die Weiterbehandlung im Spital aufgrund der lebensbedrohlichen Lage auf der Intensivstation. Neben der Diagnostik von möglichen Organschäden steht auch hier das langsame Herabsenken des Blutdrucks auf ein unkritisches Niveau von ca. 160 mmHg zu 100 mmHg im Fokus. Auf diese Weise lässt sich die Funktionsfähigkeit der Organe wiederherstellen und das Risiko für bleibende Folgeschäden wie Nieren- oder Augenschäden sowie Schlaganfälle senken.

Fazit - Mit plötzlich hohem Blutdruck ist nicht zu spassen

Bei Menschen, die bisher keinen Bluthochdruck hatten, ist eine hypertensive Krise sehr selten. Noch seltener kommt es zum hypertensiven Notfall. Insbesondere Hochdruckpatienten sollten jedoch hellhörig werden, wenn sich die charakteristischen Symptome einstellen. Messen Sie in jedem Fall Ihren Blutdruck, um die Lage einschätzen zu können. Bleibt der Blutdruck auch nachdem Sie sich hingesetzt haben über mehrere Messungen hinweg konstant sehr hoch, informieren Sie am besten Ihren Arzt und lassen sich im Spital durchchecken. Besteht dagegen der geringste Verdacht auf einen hypertensiven Notfall zählt jede Sekunde. Alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Notfallnummer ihres Landes!


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