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Wie steht es um ihren Blutdruck?


Blutdruckwerte - Was ist normal, wann sind sie gefährlich?

Blutdruckwerte, was sagen sie aus? Für viele Menschen sind die Werte beim Blutdruckmessen ein Rätsel. Was bedeutet es, wenn auf dem Display des Blutdruckmessgeräts 130/81 mmHg steht oder der Arzt von Systole, Diastole und Hypertonie spricht? Bei all der Komplexität ist es kein Wunder, dass sich viele Menschen, die ihren Blutdruck messen, unsicher über die Bedeutung der Messwertes sind. Im Folgenden Artikel wollen wir uns daher detailliert damit beschäftigen, wo die Blutdruck Normalwerte liegen, wo es natürliche Unterschiede gibt, wann Sie zum Arzt sollten und wie Sie Ihre Blutdruckwerte senken können.

Blutdruck zu hoch oder zu niedrig: Hier erfahren Sie mehr zur Bedeutung der Blutdruckwerte.

Blutdruckwerte - Was sagen sie uns?

Um zu verstehen, was Blutdruckmesswerte bedeuten, müssen wir uns zunächst anschauen, welche Funktion der Blutdruck überhaupt hat. Mit jedem Schlag pumpt unser Herz eine gewisse Menge Blut durch unseren Körper, um alle Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Beim Blutdruck handelt es sich vereinfacht gesagt um den gemessenen arteriellen Druck, mit dem das Blut durch unseren Körper fliesst.

Der Druck ist dabei abhängig von der Leistung des Herzens und dem Gefässwiderstand. Gemessen wird dieser Druck in der Einheit mmHg, was für "Millimeter Quecksilbersäule" steht. Diese Einheit geht auf einen der Väter des Blutdruckmessgeräts zurück, zu dem Sie in unserem Artikel "Blutdruckmessgerät - Darauf kommt es wirklich an" mehr erfahren. Gemeinsam mit dem Puls bildet der Blutdruck den wichtigsten Regulationsmechanismus des menschlichen Körpers.

Diese Regelgrössen beeinflussen sich in vielen Situationen gegenseitig, um jeweils den leistungsabhängigen Bedarf des Organismus nach "Nährstoffen" optimal abzudecken. Phänomene wie hoher Blutdruck und niedriger Puls sind daher keine Seltenheit.

Statistik: Anzahl der Todesfälle nach den häufigsten Todesursachen in Deutschland in den Jahren 2015 bis 2017 | Statista
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Statistik: Gefährlichste Gesundheitsrisiken weltweit nach Anzahl der Toten (in Mio.) 2004 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Warum gibt es zwei Blutdruckwerte?

Häufig taucht die Frage auf, warum es zwei Blutdruckwerte gibt und welcher nun der "richtige" Wert ist. Tatsächlich gibt es zwei Blutdruckwerte. Und beide sind wichtig, da sie sich jeweils auf eine andere Phase der Herztätigkeit beziehen. Der häufig als "obere Wert" bezeichnete Blutdruckwert ist die sogenannte Systole. Dieser systolische Blutdruck entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in den arteriellen Kreislauf pumpt. Der "untere" (diastolische) Wert dagegen gibt an, wie gross der Druck ist, wenn sich das Herz nach der Auswurfphase wieder mit Blut füllt. Der systolische Blutdruck ist dabei immer höher als der diastolische Blutdruck.

Worauf es beim Kauf eines guten Blutdruckmessgeräts ankommt erfahren Sie in unserem Artikel zum Thema Blutdruckmessgeräte.

Blutdruckwerte: Welcher Wert ist wichtiger, Systole oder Diastole?

​Grundsätzlich sind sowohl die systolischen Werte als auch die diastolischen Blutdruckwerte gleich wichtig. Immerhin geben sie lediglich Aufschluss über die Blutdruckwerte in zwei verschiedenen Phasen. Vor allem bei jüngeren Menschen sind beide Werte gleichwichtig. Allerdings lassen sich am Verhältnis beider Werte zueinander sowie an deren absoluter Höhe einige Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems erkennen.

Ein erhöhter systolischer Blutdruck geht zum Beispiel meist auf Schädigungen an den Schlagadern (z.B. Arteriosklerose) zurück und ist damit ein wichtiger Indikator. Interessant ist, dass ein isolierter diastolischer Bluthochdruck, bei dem nur der "untere" Wert erhöht ist, insbesondere in der ersten Lebenshälfte auftritt.

Zudem kann ein isoliert erhöhter diastolischer Blutdruckwert auf eine Erkrankung hindeuten, in deren Folge sich der Blutdruck erhöht (sekundäre Hypertonie). Mit zunehmendem Alter nimmt die Bedeutung des diastolischen Drucks zu. Hintergrund ist, dass wissenschaftliche Hinweise darauf schliessen lassen, dass es einen Zusammenhang mit der Bildung von Aorten-Aneurysmen gibt.

Grosse Druckunterschiede sind gefährlich!

Das Verhältnis der Blutdruckwerte zueinander ist der wichtigste Risikoindikator für Herzerkrankungen wie einen Herzinfarkt. Hier gilt die einfache Grundregel: Je grösser die Differenz zwischen Diastole und der Systole ausfällt, desto grösser das Herzinfarktrisiko.

Sind meine Blutdruckwerte normal, zu tief oder zu hoch?

Da wir Menschen keine Maschinen sind, gibt es nicht "den" optimalen Blutdruckwert, der für alle Menschen unabhängig von Alter, Stoffwechsel und Geschlecht gilt. Für die Blutdruck-Normalwerte wurden deshalb auf Studienbasis, Bereiche definiert, die für den Grossteil der Bevölkerung gelten. Wie die folgende Tabelle zeigt, erfolgt die Unterteilung in die Kategorien "niedriger Blutdruck", "optimaler Blutdruck", "normal-hoher Blutdruck", "Hypertonie Grad I", "Hypertonie Grad II" und "Hypertonie Grad III".

Blutdruckwerte

Blutdruck-Klassifikation

Systole

Diastole

niedrig

unter 105 mmHg

und/oder

unter 60 mmHg

optimal

105-119 mmHg

und

60-79 mmHg

normal

120-129 mmHg

und/oder

80-84 mmHg

normal-hoch

130-139 mmHg

und/oder

85-89 mmHg

leichter BLuthochdruck (Hypertonie Grad I)

140-159 mmHg

und/oder

90-99 mmHg

mittelschwerer Bluthochdruck (Hypertonie Grad II)

160-179 mmHg

und/oder

100-109 mmHg

schwerer Bluthochdruck (Hypertonie Grad III)

über 180 mmHg

und/oder

über 110 mmHg

Die Blutdruck-Normalwerte (optimaler bis normal-hoher Blutdruck) liegen damit im Bereich von weniger als 140 mmHg (systolisch) und 90 mmHg (diastolisch). Um möglichen Bluthochdruck möglichst frühzeitig zu erkennen, machen regelmässige Kontrollmessungen auch bei jüngeren Menschen Sinn. Immerhin verursacht Bluthochdruck nicht immer Symptome und bleibt damit ohne Blutdruck messen lange Jahre unerkannt. 

Hier erfahren Sie mehr über die Symptome von Bluthochdruck und darüber, was "niedriger Puls und hoher Blutdruck" zu bedeuten hat.

Wichtig:

Ausschlaggebend für die Beurteilung ist der Blutdruck in Ruhe und unter korrekten Messbedingungen. In unserem Artikel zum Thema "Blutdruck messen" erfahren Sie, wie Sie Ihren Blutdruck zuverlässig ermitteln. Zudem deutet ein einzelner zu hoher Wert noch nicht auf Bluthochdruck hin. Erst wenn Ihre Blutdruckwerte dauerhaft oberhalb der Blutdruck-Normalwerte liegen, ist es Zeit zum Arzt zu gehen.

Welche Blutdruckwerte haben Kinder?

​Die Blutdruck-Normalwerte für Erwachsene gelten nicht für Kinder. Wie auch beim Puls bestehen hier Unterschiede, die sich aus der körperlichen Entwicklung ergeben. Die folgende Tabelle auf Datenbasis der Deutschen Hochdruckliga zeigt die erhöhten Blutdruckwerte sowie die Blutdruck-Normalwerte für Kinder nach Alter gestaffelt.

Alter

Normwerte (Durchschnitt)

erhöhter Blutdruck

Säugling

60 zu 35 mmHg

über 90 zu 50 mmHg

ca. 1.-3. Lebensjahr

85 zu 40 mmHg

über 100 zu 60 mmHg

ca. 4.-7. Lebensjahr

95 zu 50 mmHg

über 110 zu 70 mmHg

ca. 8.-11. Lebensjahr

100 zu 60 mmHg

über 115 zu 80 mmHg

ca. 12-15 Lebensjahr

105 zu 62 mmHg

über 125 zu 80 mmHg

über 16 Jahre

115 zu 65 mmHg

über 135 zu 85 mmHg

Achtung: Plötzlich hohe Blutdruckwerte

​Dauerhaft hohe Blutdruckwerte werden von Medizinern nicht umsonst als schleichender Killer bezeichnet. Immerhin lässt sich Bluthochdruck abseits von Messungen häufig nicht anhand von klar ersichtlichen Symptomen erkennen. Wenn der Blutdruck belastungsunabhängig plötzlich stark ansteigt, besteht sogar eine akute Gefahr. In einem solchen Fall steigt der Blutdruck binnen kürzester Zeit auf Werte von über 180 mmHg.

Hierbei handelt es sich abhängig vom Kontext um eine sogenannte hypertensive Krise bzw. einen hypertensiven Notfall. Sollten Sie aus unerklärlichen Gründen plötzlich hohen Blutdruck mit einschlägigen Symptomen feststellen, besteht unter Umständen akute Lebensgefahr!

Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Artikel "Plötzlich hoher Blutdruck – Muss ich mir Sorgen machen?"

Bluthochdruck-Normalwerte beim Sport

​Unter Belastung liegen die Blutdruck-Normalwerte höher als die Blutdruck-Normalwerte in Ruhe. Das wiederum ist auch der Grund, warum die ausschlaggebenden Blutdruckwerte für die Feststellung von Bluthochdruck in Ruhe gemessen werden. Während sportlicher Belastung steigt der Blutdruck deutlich an. Bei durchschnittlichen Hobbysportlern liegt der Blutdruck bei moderater bis hoher Belastung durchaus bei 190-220 mmHg (systolisch).

Bei kurzfristigen Spitzenbelastungen können die Werte kurzfristig auch höher liegen. Werden unter Belastung Werte von 190-220 mmHg gemessen, handelt es sich also beim Sport um Blutdruck-Normalwerte. Liegt bei moderater Belastung ein dauerhafter Blutdruckwert von über 220 mmHg (systolisch) vor, sprechen Mediziner von einer Belastungshypertonie. Diese sollte ebenfalls behandelt werden.

Wer legt die Blutdruckwerte fest?

Feinstaub, CO2-Ausstoss, Stickoxide, Lärmbelastung - überall gibt es Grenzwerte. Das ist auch beim Blutdruck nicht anders. Aber wer hat eigentlich die Blutdruck-Normalwerte bzw. die Blutdruckwerte für die verschiedenen Klassifizierungen festgelegt? Die klassischen Blutdruck-Normalwerte, auf die wir uns auch hier beziehen, stammen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und wurden auf einer riesigen Datenbasis aus der praktischen Medizin erstellt. Diese Blutdruck-Normalwerte, nach denen bei 140 mmHg zu 90 mmHg die Grenze zum Bluthochdruck liegt, sind weltweit am verbreitetsten. Die gleiche Staffelung vertritt auch die European Society of Hypertension (ESH). Auch die Deutsche Hochdruckliga teilt diese Werte-Definition.

Über Nacht krank - USA senken Blutdruck-Normalwerte ab

In den USA ticken die Uhren bekanntlich immer etwas anders. Im November 2017 haben die US-amerikanischen Gesellschaften für Kardiologie nämlich die Grenzen für die Blutdruck-Normalwerte deutlich abgesenkt. Bis zu diesem Zeitpunkt galten dort ebenfalls die Blutdruckwerte der WHO. Seither definieren die US-Amerikaner bereits Blutdruckwerte von 130-139 mmHg zu 80-89 mmHg als Hypertonie Grad I. Während bei uns Werte von 120-129 mmHg (systolisch) und < 80 mmHg noch als "normal" gelten, sehen die US-Gesellschaften dies bereits als erhöhten Blutdruck an.

Und was ist die Folge der abgesenkten Blutdruck-Normalwerte? Ganz einfach: Über Nacht sind bis zu 35 Millionen US-Amerikaner plötzlich an Bluthochdruck erkrankt. Und das hat gravierende Folgen. Einerseits hat es enorme mentale Auswirkungen, wenn gesunde Menschen, die sich gut fühlen, über Nacht per Definition krank sind. Andererseits dürfte die Pharmaindustrie ein grosser Profiteur der Absenkung der Blutdruck-Normalwerte sein. Gemeinhin scheint es so zu sein, dass man in den USA früher mit einer medikamentösen Therapie beginnt als hierzulande. Interessant ist die Absenkung der Blutdruckwerte vor dem Hintergrund, dass sie präventiv wirken sollen, sodass die Menschen sensibler auf ihre Blutdruck achten als zuvor.

Absenkung der Blutdruckwerte hat keinen Einfluss auf Therapieansätze

Auch in Europa bzw. im deutschsprachigen Raum diskutieren einzelne Gremien bereits über eine ähnliche Absenkung der Blutdruck-Normalwerte. Allerdings sehen die entscheidenden Organisationen auf medizinischer Basis keinen Grund für eine Absenkung und halten daher höchstwahrscheinlich an den aktuellen Blutdruckwerten fest. Es macht schliesslich keinen Sinn, jemanden als "krank" zu betiteln, der es aus medizinischer Sicht nicht ist. Zudem gilt die Evidenz für die US-Neudefinition als fragwürdig.[1] Generell besteht in der Medizin Einigkeit, dass ein geringer Bluthochdruck im Bereich der Hypertonie I-Grades zunächst nicht medikamentös, sondern mit Hilfe eines gesunden Lebenswandels und nützlichen Hausmitteln behandelt wird.

Sie möchten mehr zur medikamentösen Behandlung von Bluthochdruck erfahren? Hier finden Sie alles, was Sie zu Bluthochdruck-Medikamenten und zum Einsatz von Bluthochdruck-Tabletten wissen müssen.

Fazit - Blutdruckwerte senken lohnt sich

Nur wer seine Blutdruckwerte und die Blutdruck-Normalwerte kennt, hat seinen Blutdruck im Griff und kann effektiv und frühzeitig etwas gegen Bluthochdruck tun. Was Sie konkret tun können, um Ihre Blutdruckwerte zu senken, erfahren Sie in unseren Artikeln "Bluthochdruck senken" und "Die 10 besten Hausmittel gegen hohen Blutdruck".

[1] https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/article/958783/grenzwerte-abgesenkt-heftige-kritik-neuer-us-definition-hypertonie.html