Machen Sie den Test

Wie steht es um ihren Blutdruck?


Der Blutdruck - Was Sie über den Regulationsmechanismus wissen müssen

Gemeinsam mit dem Puls bildet der Blutdruck den wichtigsten Regulationsmechanismus unseres Körpers. Umso erschreckender ist es, dass immer mehr Menschen Probleme mit dem Blutdruck haben. Die Frage "wie viele Menschen haben Hypertonie" lässt sich aufgrund einer guten Datenbasis recht gut beantworten.

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts leiden allein in Deutschland 20-30 Millionen Menschen unter Bluthochdruck. Weltweit sollen es bis 2025 sogar ganze 1,5 Milliarden Menschen sein. Das entspricht immerhin 29 Prozent der Weltbevölkerung. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich mit dem wichtigen Thema Blutdruck beschäftigen, denn die Folgen sind gravierend.

Nicht umsonst ist Bluthochdruck der Risikofaktor Nummer eins für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die ca. 40 Prozent aller Todesfälle im deutschsprachigen Raum ausmachen. Was also ist ein guter Blutdruck und welcher Puls ist in Ordnung? Welche Symptome hat Bluthochdruck? Welche Blutdruckschwankungen sind normal? Und wie lässt sich der Blutdruck senken?

All diese Themen möchten wir in unserem Basisratgeber anschneiden. Weitere Informationen zu spezifischen Blutdruck-Themen haben wir für Sie in gesonderten Artikeln detailliert aufbereitet.

Statistik: Gefährlichste Gesundheitsrisiken weltweit nach Anzahl der Toten (in Mio.) 2004 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista
Statistik: Gefährlichste Gesundheitsrisiken weltweit nach Anzahl der Toten (in Mio.) 2004 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Was ist der Blutdruck eigentlich?

Unser Herz pumpt das Blut mit jedem Schlag durch unseren Körper, indem es sich zusammenzieht und wieder entspannt. Der Blutdruckwert gibt also an, mit welchem Druck das Blut durch unsere Gefässe strömt. Der Blutdruckwert selbst wird in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) angegeben und bezieht sich auf den Widerstand, der Gefässe. Mediziner unterscheiden hier zwischen dem systolischen und dem diastolischen Wert, die umgangssprachlich auch als "oberer Wert" und "unterer Wert" bezeichnet werden. Der systolische Druck bezeichnet den Druck beim Auswurf des Blutes in den Kreislauf. Der diastolische Druck dagegen misst dagegen den Druck während sich das Herz entspannt und wieder mit Blut füllt.

Welcher Blutdruckwert ist wichtiger?

Häufig fragen sich Patienten, welcher Blutdruckwert wichtiger ist, zumal der systolische Wert immer höher ist als der diastolische Wert. Die Antwort ist einfach: Beide Werte sind gleich wichtig, da sie sich auf unterschiedliche Zeitpunkte beziehen und damit auch Hinweise auf mögliche Erkrankungen geben können. Bedeutend ist vor allem das Verhältnis beider Werte zueinander.

Je grösser die Differenz zwischen Systole und Diastole, desto grösser ist das Risiko für Schädigungen und Herzerkrankungen durch die grossen Druckunterschiede.

Mehr zum Thema und auf welche Erkrankungen ein isoliert erhöhter Wert hindeuten kann, erfahren Sie in unserem Artikel "Blutdruckwerte - Was ist normal, wann sind sie gefährlich?"

Wer legt die Blutdruckwerte fest?

Über jahrzehntelange Forschung und Erfahrungen von Herzspezialisten (Kardiologen) hat sich eine Datenbasis ergeben, aufgrund derer sich eine allgemeingültige Definition für Bluthochdruck ergeben hat. Gleich mehrere Organisationen weltweit sind für die Festlegung der Blutdruckwerte verantwortlich. Die Einteilung mit der grössten Verbreitung ist die Blutdruckklassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Auch die Deutsche Hochdruckliga und die European Society of Hypertension (ESH) unterstützen die Definition der WHO. Lediglich in den USA hat man die Blutdruckgrenzwerte im Jahr 2017 auf 130 mmHg zu 80 mmHg abgesenkt. Diese Definition hat in den USA über Nacht gleich 35 Millionen Menschen zu "Kranken" gemacht und steht aufgrund mangelnder Evidenz weltweit in der Kritik.

Blutdruckwerte: Welcher Blutdruck ist normal?

Die folgende Tabelle gibt die Blutdruck-Normalwerte gemäss dem weltweiten Konsens der WHO wieder. Sie gibt aber auch Hinweise darauf, wann der Blutdruck zu niedrig ist. Als optimal gelten Blutdruckwerte von unter 120 mmHg zu 80 mmHg. In den "noch" normalen Bereich dagegen fallen Werte bis zu 139 mmHg zu 89 mmHg. Die Antwort auf die Frage: "wann ist der Blutdruck zu hoch" lautet also: ab 140 mmHg zu 90 mmHg. Dann spricht man von Bluthochdruck oder auch Hypertonie Grad I.

Blutdruck-Klassifikation

Systole

Diastole

niedrig

unter 105 mmHg

und/oder

unter 60 mmHg

optimal

105-119 mmHg

und

60-79 mmHg

normal

120-129 mmHg

und/oder

80-84 mmHg

normal-hoch

130-139 mmHg

und/oder

85-89 mmHg

leichter BLuthochdruck (Hypertonie Grad I)

140-159 mmHg

und/oder

90-99 mmHg

mittelschwerer Bluthochdruck (Hypertonie Grad II)

160-179 mmHg

und/oder

100-109 mmHg

schwerer Bluthochdruck (Hypertonie Grad III)

über 180 mmHg

und/oder

über 110 mmHg

Diese Blutdruckwerte gelten für erwachsene Personen. In besonderen Situationen wie der Schwangerschaft kann sich der Druck jedoch ändern. Auch das Alter hat einen grossen Einfluss auf den Druck in den Gefässen. Aus diesem Grund haben Kinder auch niedrigere Blutdruckwerte als Erwachsene. 

Weitere interessante Fakten zu den Blutdruckwerten haben wir für Sie in unserem Artikel

"Bluthochdruck-Werte - Was sagen sie aus und wie sind sie zu bewerten?" für Sie aufgearbeitet.

Welche Blutdruckwerte sind gefährlich?

Die Hypertonie ist ein schleichender Prozess und bleibt häufig lange unbemerkt. Grundsätzlich gilt bei der Einteilung in Hypertonie Grad I, Hypertonie Grad II und Hypertonie Grad III jedoch die Regel: Je höher die Blutdruckwerte, desto gefährlicher sind sie für den Organismus. Während die erstgradige Hypertonie noch nicht mit Organschäden einhergeht, ist die zweitgradige Hypertonie langfristig mit Organschädigungen verbunden.

Bei der drittgradigen Hypertonie ist zudem das akute Herzinfarkrisiko massiv erhöht. Noch gefährlicher ist plötzlich hoher Blutdruck, der unabhängig von körperlicher Belastung auftritt. Bei einem plötzlichen Anstieg auf über 180 mmHg (systolisch) spricht man von einer hypertensiven Krise. Kommen schwere Symptome wie Benommenheit, Schwindel, starkes Zittern oder Erbrechen dazu, sollten Sie den Rettungsdienst alarmieren.

Aus einer der hypertensiven Krise kann sich schliesslich schnell ein hypertensiver Notfall mit erhöhtem Infarktrisiko bilden!

Mehr zur hypertensiven Krise und zu weiteren möglichen Ursachen für plötzlich hohe Blutdruckwerte, finden Sie in unserem Artikel "Plötzlich hoher Blutdruck - Muss ich mir Sorgen machen?"

Blutdruckschwankungen - Was ist normal?

Die Blutdruckwerte sind ebenso dynamisch wie der Puls und passen sich unter anderem an die körperliche Belastung und das hormonelle Umfeld an. Nur so ist sichergestellt, dass alle Zellen des Körpers immer mit der benötigen Menge an Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Blutdruckschwankungen sind daher im Tagesverlauf völlig normal. Mediziner bezeichnen den blutdruckspezifischen Tagesrhythmus auch als circadianen Rhythmus. Demnach erreichen die Blutdruckwerte zwischen 8 und 9 Uhr am Morgen einen ersten Gipfel.

Gegen Mittag fällt der Blutdruck dann etwas ab, um dann zwischen ca. 16 und 18 Uhr einen erneuten Gipfel zu erreichen. Nachts sinkt der Blutdruck bei einem gesunden Menschen wiederum deutlich ab. Normal sind hier belastungsunabhängig durchaus 10-15 mmHg.

Achtung:

Bei Bluthochdruck sinkt der Blutdruck in der Nacht oftmals nicht mehr ab, was die Belastung für das Gefässsystem und das Risiko für Schäden deutlich erhöht.

Symptome für aussergewöhnlichen Bluthochdruck

Bluthochdruck bleibt bei vielen Menschen lange Zeit unentdeckt, da er keine oder kaum Symptome verursacht. Meist zeigt sich der Bluthochdruck erst dann sehr deutlich, wenn bereits ein höherer Hypertoniegrad vorliegt. Umso wichtiger ist es, dass auch gesunde Menschen ab und an Ihren Blutdruck kontrollieren. Deutlicher sind die Anzeichen dagegen für einen zu niedrigen Blutdruck.

Wie merkt man, dass der Blutdruck zu hoch ist?

Hoher Blutdruck tut nicht weh, sondern verursacht individuelle Bluthochdruck-Symptome die fallabhängig auftreten können, aber nicht müssen. Treten die folgenden Symptome gehäuft auf, ist dies definitiv ein Warnsignal. In einem solchen Fall sollten Sie definitiv den Blutdruck kontrollieren und im Zweifelsfall Ihren Arzt um Rat fragen.

  • Herzrasen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Ohrensausen
  • Gerötetes Gesicht
  • Gesteigerte Nervosität
  • Nachlassende Leistungsfähigkeit
  • Kurzatmigkeit bei Anstrengung
  • Engegefühl in der Brust (Angina pectoris)
  • Schwindelgefühle
  • Kopfschmerzen (vor allem im Hinterkopfbereich)

So erkennen Sie einen zu niedrigen Blutdruck

Auch wenn zu hohe Blutdruckwerte für den Organismus deutlich gefährlicher sind als zu niedrigere Blutdruckwerte, sollten Sie auch diese Symptome erkennen. Immerhin schränkt ein deutlich zu niedriger Blutdruck (unter 105 mmHg zu 60 mmHg) die Lebensqualität deutlich ein.

  • Schwindel (vor allem nach raschem Aufstehen)
  • Unerklärliche Müdigkeit
  • Schnelle Ermüdung
  • Kalte Füsse und Hände
  • Wetterfühligkeit
  • Hoher Puls
  • Depressive Verstimmungen
  • Ohrensausen
  • Augenflimmern
  • Appetitlosigkeit
  • Ohnmacht
  • Konzentrationsstörungen

Ursachen für zu hohen Blutdruck

Die Ursachen für Bluthochdruck sind vielfältig. Nur rund 10 Prozent aller Fälle gehen auf eine organische oder krankheitsbedingte Ursache zurück. Dazu zählen beispielsweise diverse Nieren- und Schilddrüsenbeschwerden. Da der Bluthochdruck lediglich das Symptom und keine eigenständige Erkrankung ist, sprechen Mediziner auch von einer sekundären Hypertonie.

Demgegenüber steht die arterielle Hypertonie, die rund 90 Prozent aller Fälle umfasst. Auslöser ist oft die Kombination zahlreicher Risikofaktoren wie Rauchen, starker Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, salzlastige Ernährung, starkes Übergewicht, chronischer Stress und ganz allgemein die im Alter abnehmende Gefässelastizität.

In unserem Artikel "Hoher Blutdruck - Ursachen für die Volkskrankheit Nummer 1" gehen wir näher auf die spezifischen Ursachen ein.

Wie lässt sich der Blutdruck senken?

Um die Blutdruckwerte überhaupt beurteilen und später senken zu können, ist die genaue Kontrolle des Blutdrucks notwendig. Auch wenn bei Ihnen bisher noch kein Bluthochdruck diagnostiziert wurde, sollten Sie Ihren Blutdruck messen. Grundvoraussetzung ist ein hochwertiges Blutdruckgerät, das zu Ihnen passt. 

Wie sollte ich meinen Blutdruck messen?

Wer bei der Selbstmessung korrekte Werte erhalten möchte, muss auf einige wichtige Punkte achten. Leicht führen Fehler zu verfälschten Messergebnissen. Achten Sie beim Blutdruckmessen daher unbedingt auf die folgenden Punkte.

  • Messen Sie Ihren Blutdruck in Ruhe. Setzen Sie sich dazu bequem hin und warten Sie fünf Minuten bis zur ersten Messung.
  • Messen Sie mehrfach hintereinander. Ausschlaggebend ist der niedrigste ermittelte Wert.
  • Legen Sie die Manschette korrekt an. Die Unterseite sitzt ca. zwei Zentimeter breit oberhalb der Ellenbeuge, der Schlauch verläuft in Richtung des Daumens.
  • Achten Sie darauf, dass sich die Messmanschette in Herzhöhe befindet. Das gilt auch für die Handgelenksmessung.
  • Sprechen und bewegen Sie sich während der Messung nicht.
  • Verzichten Sie vor der Messung mindestens eine Stunde lang auf stimulierende Substanzen wie Koffein oder Nikotin.

Wichtig:

Um die Werte über mehrere Tage hinweg vergleichen zu können, sollten Sie Ihren Blutdruck immer zur gleichen Tageszeit und unter den gleichen Umständen messen.

Blutdruck senken: So einfach geht es!

Ihren Blutdruck können Sie bereits mit einfachen Massnahmen in den Griff bekommen. Schon der Verzicht auf Nikotin, ein geringerer Alkoholkonsum und die Umstellung der Ernährung bringen eine Menge. Noch effektiver sind regelmässiger leichter Ausdauersport und die Reduktion von Übergewicht. Allein 1 Kilogramm überschüssiges Fett weniger kann den Blutdruck um bis zu 2 mmHg senken. 

Welche Möglichkeiten Sie selbst haben, um den Blutdruck ganz ohne Medikamente zu senken und welche Hausmittel sich positiv auf den Blutdruck auswirken, erfahren Sie hier:

"Die 10 besten Hausmittel gegen hohen Blutdruck"
"Was hilft gegen Bluthochdruck? - 10 Tipps, die Ihnen weiterhelfen"

Welche Blutdrucksenker gibt es?

"Wie viele Menschen nehmen Blutdrucksenker?" Das ist eine Frage, die viele Blutdruckpatienten vor der Einnahme von Medikamenten beschäftigt. Genaue Zahlen gibt es nicht. Jedoch lässt die Anzahl von 25-35 Millionen Bluthochdruckpatienten im deutschsprachigen Raum den Schluss zu, dass sie im zweistelligen Millionenbereich liegt. Dementsprechend gut erforscht sind Wirkstoffgruppen wie ACE-Hemmer, Angiotensin-Antagonisten/Sartane, Beta-Blocker, Diuretika, Kalzium-Antagonisten und Renin-Hemmer.

Allerdings werden Medikamente gegen Bluthochdruck erst dann eingesetzt, wenn es sich um starke Hochdruckwerte handelt und das Potenzial durch einen gesunden Lebenswandel nahezu ausgeschöpft ist. 

Lesen Sie unseren Artikel "Bluthochdruck-Tabletten - Ab wann sind sie unerlässlich und werden sie richtig angewendet?und erfahren Sie, wann sich der Einsatz lohnt und wann es auch ohne Medikamente geht.